Der American Bulldog ist ein echter Charakterhund – kräftig, loyal und überraschend sensibel. Wenn du mit dem Gedanken spielst, dir einen dieser beeindruckenden Vierbeiner ins Haus zu holen, bist du hier genau richtig: Wir zeigen dir, was du bei Erziehung, Pflege und Alltag mit diesem besonderen Hund wissen musst.
Steckbrief American Bulldog
Rasse | American Bulldog |
Herkunft | Amerika |
Gewicht | Rüde: 30 - 58 kg, Hündin: 27 - 41 kg |
Größe | Rüde: 50 - 71 cm, Hündin: 50 - 61 cm |
Alter | 10 bis 15 Jahre |
Charakter | freundlich, gutmütig, intelligent, loyal, wachsam, stur, selbstbewusst, durchsetzungsfähig |
Fell und Farbe | kurzes Fell mit unterschiedlichen Farben wie weiß, braun, creme, falb, rot gestromt oder gescheckt |
Pflege | pflegeleicht |
Bewegungsdrang | sehr ausgeprägt |
Besonderheiten | Wachhund, Familienhund, Therapiehund, Rettungshund, Spätentwickler |
Herkunft
Die Ursprünge des American Bulldog gehen auf die Englische Bulldogge zurück. Diese wurde im 16. und 17. Jahrhundert in England bei brutalen Tierkämpfen eingesetzt – etwa, um Bullen an der Nase zu packen und zu Boden zu reißen. Die sogenannten „Bullenbeißer“ traten in Schaukämpfen auf, die häufig tödlich endeten und zur Unterhaltung stattfanden. Erst 1835 wurden diese grausamen Wettkämpfe verboten. Auch wenn Tierkämpfe heute in vielen Ländern illegal sind, finden sie vereinzelt noch immer im Verborgenen statt.
Das Aussehen der damaligen Hunde war rein zweckorientiert: Ein kräftiger Nacken, ein großer Kopf mit kurzem Fang und Vorbiss sorgten dafür, dass sich die Hunde festbeißen konnten, ohne zu ersticken. Die charakteristischen Gesichtsfalten dienten dazu, Blut vom Kampf aus den Augen abzuleiten.
Mit den britischen Siedlern gelangten diese Hunde schließlich nach Amerika. Dort wurden sie zu echten Allroundern auf Farmen: Sie trieben Vieh, halfen bei der Jagd auf Wildschweine und schützten Haus und Hof vor Raubtieren. Durch Kreuzungen mit anderen Hunden entstand nach und nach der American Bulldog, wie wir ihn heute kennen.
Trotz seiner langen Geschichte wird der American Bulldog weder vom FCI noch vom American Kennel Club als eigenständige Rasse anerkannt. Lediglich der United Kennel Club (UKC) führt ihn seit 1999 offiziell als Rasse.
Aussehen
Zwar hat er seinen Namen nicht aufgrund seines Aussehens, dennoch ist eine bullige Erscheinung, die Kraft und Stärke ausstrahlt, nicht zu leugnen. Der American Bulldog ist mittelgroß, kompakt, sportlich und muskulös gebaut.
Sein stämmiges Äußeres mit der breiten Brust und der hohen Standfestigkeit variiert allerdings:
- Standard-Type (Scott): Etwas leichter, sportlicher gebaut (meist unter 45 kg)
- Bully-Type (Johnson): Kräftiger, massiger Körperbau, dadurch höheres Gewicht (teils über 50 kg)
Ein einheitliches Aussehen kann man bei der Rasse nicht feststellen. Einerseits liegt dies daran, dass die Hunde als Rasse nicht anerkannt ist und dementsprechend keine verbindlichen Normen gelten, andererseits wurden die Tiere vor allem entsprechend ihrer Aufgabe auf einer Farm gezüchtet, statt Wert auf ihre Erscheinung zu legen.
Der American Bulldog hat im Gegensatz zu seinen Verwandten keine extrem ausgebildeten Körperteile. Die lange Schnauze hat keinen Vorbiss, das Tier hat kaum Falten und keine extrem breiten Schultern.
Insgesamt schwankt die Widerristhöhe der Rüden zwischen 50 und 71 Zentimetern und das Gewicht dementsprechend zwischen 30 und 58 Kilogramm. Hündinnen werden zwischen 50 und 61 Zentimetern groß (Schulterhöhe) und bringen zwischen 27 und 41 Kilogramm auf die Waage.
Die Farbigkeit des kurzen, glänzenden und dichten Fells weist ebenfalls eine hohe Variationsbreite auf: von weißen über braune bis hin zu falb oder cremefarbenen Tieren sowie gescheckten und gestromten Hunden in Rot kann alles vorkommen.
Charakter
Ebenso wie ihr Aussehen kann auch der Charakter der American Bulldogs variieren – je nach Zuchtlinie, Sozialisation und Haltung. Ein verantwortungsvoll gezüchteter American Bulldog ist kräftig, mutig und gleichzeitig ausgeglichen. Menschen gegenüber zeigt er sich freundlich und aufmerksam, bei Fremden anfangs eher zurückhaltend.
Im familiären Umfeld sind diese Hunde meist außerordentlich anhänglich und sanftmütig – besonders Kindern gegenüber entwickeln sie eine fast fürsorgliche Loyalität. Dank ihrer hohen Reizschwelle gelten American Bulldogs als ausgesprochen geduldig und lassen sich kaum aus der Ruhe bringen. Sie genießen das Leben mit ihrem „menschlichen Rudel“ und gelten als umgängliche, gut kontrollierbare Hunde, wenn sie entsprechend gefördert werden.
Leider kam die Rasse in den 1990er-Jahren stark in Verruf: Unseriöse Halter und Vermehrer züchteten auf Aggression, kreuzten die Bulldoggen mit Terrierrassen und nutzten sie als „Waffenhunde“. Dieses Missbrauchsverhalten führte zu einem negativen Image und Medienberichten, die den American Bulldog als aggressiven Kampfhund darstellten.
Dabei gilt: Mit konsequenter Erziehung, guter Sozialisierung und liebevoller Führung ist der American Bulldog ein freundlicher, menschenbezogener Hund, der sich sowohl als Familien-, Begleit- als auch als Wachhund hervorragend eignet.
Dennoch wird die Rasse in einigen deutschen Bundesländern sowie Kantonen der Schweiz als Listenhund geführt. Das bedeutet: Für Haltung, Einfuhr und teilweise auch Zucht gelten strenge Auflagen – darunter Leinen- und Maulkorbpflicht oder ein erforderlicher Wesenstest. In Deutschland betrifft das z. B. Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen.
Lebenserwartung
Ein American Bulldog wird in der Regel 10 bis 15 Jahre alt. Mit hochwertigem Futter, ausreichend Bewegung und mentaler Beschäftigung kannst du viel zu seiner Gesundheit und Lebenserwartung beitragen.
Wichtig zu wissen: American Bulldogs sind Spätentwickler. Körperlich ausgewachsen sind sie meist erst mit ca. 2 Jahren, mental oft erst mit 2,5 bis 3 Jahren. Geduld in der Erziehung und beim Training zahlt sich daher besonders aus.
Da die Rasse zu Gelenkproblemen wie Hüftdysplasie neigt, solltest du junge Hunde körperlich nicht überfordern. Vermeide in der Wachstumsphase Treppensteigen und wilde Sprünge – so schützt du Knochen und Gelenke schon von klein auf.
Ernährung
Ein American Bulldog sollte fleischreich und möglichst getreidefrei ernährt werden. Achte bei der Wahl des Futters auf eine klare Deklaration mit hohem Fleischanteil und möglichst ohne unnötige Zusatzstoffe. Nach dem Fressen – idealerweise morgens und abends – braucht dein Hund Ruhe, um das Risiko einer Magendrehung zu minimieren.
Wie viele seiner bullartigen Verwandten neigt auch die amerikanische Bulldogge zur Verfressenheit. Doch Übergewicht belastet die Gelenke und Organe stark. Behalte seine Figur im Blick – die Taille sollte noch sichtbar sein.
Vergiss nicht: Leckerlis und Kauartikel zählen zur Tagesration und sollten bei der Gesamtmenge berücksichtigt werden. Und da American Bulldogs unheimlich clever und neugierig sind, achte darauf, dass dein Vierbeiner sich nicht heimlich an den Vorräten bedient.
Haltung & Platzbedarf
Auch wenn seine Vorfahren einst als Hof- und Arbeitshunde gehalten wurden, braucht ein American Bulldog heute keinen Bauernhof mehr, um glücklich zu sein. Für das Leben in einer Stadtwohnung ist er trotzdem nur bedingt geeignet – dafür ist er einfach zu territorial und bewegungsfreudig.
Ideal ist eine ebenerdige Wohnung oder ein Haus mit eingezäuntem Garten, in dem sich dein Bulldog austoben, entspannen und auch mal auf „Wachposten“ gehen kann. Er genießt es, sein Revier zu überblicken und seine Menschen im Blick zu behalten.
Wichtig: Treppensteigen solltest du möglichst vermeiden – vor allem im Welpenalter und bei älteren Hunden. Die Gelenke des kräftigen Bulldogs sind empfindlich, und wiederholtes Stufenlaufen kann auf Dauer schädlich sein.
Harmonie
American Bulldogs treten anderen Hunden gegenüber oft selbstbewusst und dominant auf – besonders dann, wenn es um ihr Revier geht. Auf „Eindringlinge“ reagieren sie mit deutlichem Bellen, um klarzustellen, dass ihre Anwesenheit nicht erwünscht ist. Aggressiv werden sie dabei nur selten, solange ihre Warnung ernst genommen wird.
Mit zunehmendem Alter kann sich das Verhalten auch außerhalb des eigenen Territoriums verschärfen – vor allem gegenüber gleichgeschlechtlichen Hunden. Hier ist frühe Sozialisierung und vorausschauendes Verhalten von deiner Seite gefragt, um Konflikte zu vermeiden.
Mit Katzen klappt das Zusammenleben in der Regel gut – vorausgesetzt, dein Bulldog lernt die Samtpfoten bereits im Welpenalter kennen und wird behutsam an sie gewöhnt.
Im Familienleben zeigt sich der American Bulldog von seiner gutmütigen und geduldigen Seite. Kinder lieben den kräftigen Vierbeiner – und auch wenn das Anspringen manchmal Thema ist, profitieren beide Seiten von seiner wenig reizbaren Art.
Achtung Langeweile: Wenn dein Bulldog körperlich und geistig unterfordert ist, wird er sich selbst Beschäftigung suchen – und das kann dann auch mal Kissen zerlegen, ausdauerndes Bellen oder kreative Dekoideen beinhalten.
Zeitaufwand
Ein American Bulldog braucht viel Zeit und Aufmerksamkeit – sowohl für Bewegung als auch für geistige Auslastung. Rechne mit mindestens vier bis fünf Stunden täglich, die du aktiv mit deinem Hund verbringst: beim Spazierengehen, Spielen, Trainieren oder einfach im gemeinsamen Alltag.
Neben täglichen Runden liebt der Bulldog abwechslungsreiche Beschäftigung, zum Beispiel:
- Mantrailing
- Agility
- Joggen
- Ausbildung zum Therapie- oder Rettungshund
Da American Bulldogs zu den Spätentwicklern gehören, sollte intensives Training erst ab ca. 16 Monaten starten – idealerweise nach tierärztlicher Abklärung von Hüfte und Ellenbogen.
Wichtig: Der Bulldog ist ein menschenbezogener Hund, der ungern allein bleibt. Wird er über Stunden isoliert, kann das zu Frust, Zerstörungsdrang oder Trennungsangst führen.
Erziehung
American Bulldogs sind intelligent, eigenständig und sensibel – das macht ihre Erziehung anspruchsvoll, aber auch lohnenswert. Wichtig ist eine klare, liebevolle und konsequente Führung. Härte bringt bei diesen charakterstarken Hunden nichts, das führt eher zu Misstrauen oder Verweigerung.
Stattdessen solltest du mit Geduld und positiver Bestärkung arbeiten: Leckerlis, Lob und gemeinsame Spiele helfen, die Bindung zu stärken und gewünschtes Verhalten zu festigen. Gleichzeitig braucht dein Bulldog eine klare Linie – Unsicherheit und Inkonsequenz merkt er sofort und nutzt sie gerne aus.
Da American Bulldogs erst mit etwa drei Jahren wirklich erwachsen sind, musst du auch in der Pubertät einen kühlen Kopf bewahren. Wer es versäumt, konsequent zu bleiben, wird mit einem „kreativen“ Hund konfrontiert: Müll ausräumen, Tische leeren, Türen öffnen – alles kein Problem für einen gelangweilten Bulldog mit eigenem Kopf.
Wichtig ist auch eine frühe Sozialisation, um spätere Konflikte mit Artgenossen zu vermeiden. Der Besuch einer Welpenschule und später einer Hundeschule hilft dir, deinen Hund unter Anleitung zu erziehen und gezielt zu fördern – und gibt ihm gleichzeitig wichtige soziale Kontakte.
Pflege
Der kurzhaarige American Bulldog ist relativ pflegeleicht. Ein mehrmaliges Bürsten pro Woche reicht aus, um lose Haare zu entfernen, die Haut zu durchbluten und die Bindung zu stärken. Nutze die Gelegenheit, um gleich nach Zecken oder anderen Parasiten zu schauen – besonders nach Spaziergängen.
Achte auch regelmäßig auf:
- Ohren & Augen: neigen zu Entzündungen, also sorgfältig kontrollieren und sanft reinigen.
- Pfoten & Krallen: Wenn die Krallen auf hartem Boden hörbar sind, bitte kürzen – das beugt Verletzungen vor.
- Zähne: Am besten täglich putzen.
Gesundheit
American Bulldogs gelten grundsätzlich als robust und gesund, doch ihre Gesundheit hängt stark von der Zuchtqualität ab. Besonders wichtig: Die Rasse kann brachycephal (kurzköpfig) veranlagt sein. Bei starker Ausprägung führt das zu Atemproblemen, tränenden Augen und Schnarchen – vermeide daher Tiere mit übertrieben kurzer Schnauze.
Bereits 1999 empfahl das Qualzuchtgutachten von Bundesregierung und Tierschutzbund ein Zuchtverbot für extrem kurzköpfige Hunde. Achte beim Kauf also auf einen harmonischen, funktionalen Körperbau – Finger weg von Hunden mit stark gekrümmten Beinen, langem Rücken oder übermäßig viel Fell.
Ein verantwortungsvoller Züchter achtet darauf, gesunde Elterntiere zu verpaaren und lässt Welpen auf Augenerkrankungen, Hüft- und Ellbogendysplasie (HD/ED) untersuchen.
Gelenkschonende Aufzucht:
- Steigere Spaziergänge langsam.
- Joggen oder Radfahren erst mit ausgewachsenem Hund (ab ca. 18–24 Monate).
- Wähle für Welpen kein zu energiereiches Futter – auch zu schnelles Wachstum belastet die Gelenke.
Häufig gestellte Fragen
Ist der American Bulldog ein Kampfhund?
Der American Bulldog wird in einigen Bundesländern als Listenhund geführt, ist aber kein klassischer Kampfhund. Mit guter Erziehung und Sozialisation ist er ein freundlicher, loyaler Familienhund – nicht aggressiv von Natur aus.
Wie viel kostet ein American Bulldog?
Ein American Bulldog vom seriösen Züchter kostet zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Vorsicht bei Billigangeboten – hier fehlt oft die Gesundheitsvorsorge. Zusätzlich fallen laufende Kosten für Futter, Tierarzt & Co. an.
Ist der American Bulldog eine Qualzucht?
Ein American Bulldog ist nicht automatisch eine Qualzucht. Achte beim Kauf auf eine funktionale Zucht ohne übertriebene Merkmale wie extrem kurzen Fang oder stark gekrümmte Beine. Diese können zu gesundheitlichen Problemen führen.
Ist der American Bulldog ein Anfängerhund?
Der American Bulldog ist kein typischer Anfängerhund. Er braucht eine konsequente, souveräne Führung und klare Regeln. Mit Hundeschule und Lernbereitschaft ist er für gut informierte Anfänger möglich – aber nichts für unerfahrene Halter ohne Unterstützung.
Ist eine Amerikanische Bulldogge der richtige Hund für dich?
Der American Bulldog ist stark, sensibel und loyal – ein echtes Kraftpaket mit Herz. Doch er stellt auch klare Anforderungen an seine Menschen. Diese Checkliste hilft dir bei der Entscheidung:
✅ Du hast (idealerweise) Erfahrung mit selbstbewussten Hunden
✅ Du führst ruhig, konsequent und mit klaren Regeln
✅ Du suchst einen anhänglichen Hund mit eigenem Kopf
✅ Du hast täglich mehrere Stunden Zeit für Auslastung & Nähe
✅ Du kannst deinen Hund gut in den Alltag integrieren – statt ihn lange allein zu lassen
✅ Du bist körperlich in der Lage, einen kräftigen Hund sicher zu führen
✅ Du bist bereit für Sozialisierung, Training & ggf. Auflagen durch Listenhund-Regelungen
✅ Du willst einen wachsamen, treuen Hund, der dich bedingungslos begleitet
Wenn du diese Punkte mit Ja beantworten kannst, passt der American Bulldog vielleicht perfekt zu dir – als starker Partner mit Herz, Charakter und Loyalität.